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Besonders für Menschen, die zu den Außenseitern der Gesellschaft gehören, wird Mobbing im Berufs-, Schul-  und Privatleben immer mehr zu einem ernsthaften, ja emotionalen- und gesundheitsgefährdenden Problem, doch kann diese Art des persönlichen Terrors auch jeden “Durchschnittsmenschen” treffen!

Diese Seite möchte kurz über Definition, Ursachen, Folgen und Lösungsmöglichkeiten informieren.

Überblick:
Was ist Mobbing?
Wie äußert sich Mobbing?
Von Tätern und Ursachen
Gesundheitliche Folgen für die Opfer
Kosten durch Mobbing
Mögliche Auswege aus dieser Situation
 

Was ist Mobbing?


Mittlerweile kennt fast jeder das Wort Mobbing, aber was genau bedeutet es und wie wird es von Experten definiert?
Dieser Begriff stammt vom Englischen Sprachgebrauch und bedeutet übersetzt soviel wie pöbeln, oder über jemanden herfallen.

Doch ist dabei zu beachten, dass nicht jede Streitigkeit im Betrieb oder Verein, gleich ein Fall von Mobbing darstellt.

Laut einer Definition des schwedischen Arbeitspsychologen und Begründer der Mobbing-Forschung, Professor Dr. Heinz Leymann, bedeutet Mobbing,

  • eine konfliktbelastete Kommunikation am Arbeitsplatz unter Kollegen oder zwischen Vorgesetzten und Untergebenen,
  • bei der die angegriffene Person unterlegen ist und
  • von einer oder mehreren anderen Personen systematisch und während längerer Zeit direkt oder indirekt angegriffen wird
  • mit dem Ziel und/oder dem Effekt des Ausstoßes und
  • die angegriffene Person dies als Diskriminierung erlebt."
     

Man spricht also allgemein nur dann von Mobbing, wenn sich die persönlichen Attacken mehrmals, über einen längeren Zeitraum und gezielt ereignen!
Laut einer schwedischen Studie sind mittlerweile im Durchschnitt 4% der Beschäftigten Opfer von dieser Art der Diskriminierung.

Wie äußert sich Mobbing?

Bei seinen langjährigen Forschungen und Gesprächen mit Betroffenen konnte Heinz Leymann hauptsächlich die folgenden Formen der Diffamierung feststellen, die er in fünf Gruppen einteilte:

 1. Angriffe auf die Möglichkeiten, sich mitzuteilen:

  • Der Vorgesetzte schränkt die Möglichkeiten ein, sich zu äußern.
  • Man wird ständig unterbrochen.
  • Kollegen schränken die Möglichkeiten ein, sich zu äußern.
  • Anschreien oder lautes Schimpfen.
  • Ständige Kritik an der Arbeit.
  • Ständige Kritik am Privatleben.
  • Telefonterror.
  • Mündliche Drohungen.
  • Schriftliche Drohungen.
  • Kontaktverweigerung durch abwertende Blicke oder Gesten.
  • Kontaktverweigerung durch Andeutungen, ohne dass man etwas direkt ausspricht.

 

2. Angriffe auf die sozialen Beziehungen:

  • Man spricht nicht mehr mit dem/der Betroffenen.
  • Man lässt sich nicht ansprechen.
  • Versetzung in einen Raum weitab von den Kollegen.
  • Den Arbeitskollegen/innen wird verboten, den/die Betroffenen anzusprechen.
  • Man wird "wie Luft" behandelt.

 3. Auswirkungen auf das soziale Ansehen:

  • Hinter dem Rücken des Betroffenen wird schlecht über ihn gesprochen.
  • Man verbreitet Gerüchte.
  • Man macht jemanden lächerlich.
  • Man verdächtigt jemanden, psychisch krank zu sein.
  • Man will jemanden zu einer psychiatrischen Untersuchung zwingen.
  • Man macht sich über eine Behinderung lustig.
  • Man imitiert den Gang, die Stimme oder Gesten, um jemanden lächerlich zu machen.
  • Man greift die politische oder religiöse Einstellung an.
  • Man macht sich über das Privatleben lustig.
  • Man macht sich über die Nationalität lustig.
  • Man zwingt jemanden, Arbeiten auszuführen, die das Selbstbewusstsein verletzen.
  • Man beurteilt den Arbeitseinsatz in falscher oder kränkender Weise.
  • Man stellt die Entscheidungen des/der Betroffenen in Frage.
  • Man ruft ihm/ihr obszöne Schimpfworte oder andere entwürdigende Ausdrücke nach.
  • Sexuelle Annäherungen oder verbale sexuelle Angebote.

 4. Angriffe auf die Qualität der Berufs- und Lebenssituation:

  • Man weist dem Betroffenen keine Arbeitsaufgaben zu.
  • Man nimmt ihm jede Beschäftigung am Arbeitsplatz, so dass er sich nicht einmal selbst Aufgaben ausdenken kann.
  • Man gibt ihm sinnlose Arbeitsaufgaben.
  • Man gibt ihm Aufgaben weit unter seinem eigentlichen Können.
  • Man gibt ihm ständig neue Aufgaben.
  • Man gibt ihm "kränkende" Arbeitsaufgaben.
  • Man gibt dem Betroffenen Arbeitsaufgaben, die seine Qualifikation übersteigen, um ihn zu diskreditieren.

 5. Angriffe auf die Gesundheit:

  • Zwang zu gesundheitsschädlichen Arbeiten.
  • Androhung körperlicher Gewalt.
  • Anwendung leichter Gewalt, zum Beispiel um jemandem einen "Denkzettel" zu verpassen.
  • Körperliche Misshandlung.
  • Man verursacht Kosten für den/die Betroffene, um ihm/ihr zu schaden.
  • Man richtet physischen Schaden im Heim oder am Arbeitsplatz des/der Betroffenen an.
  • Sexuelle Handgreiflichkeiten.

Von Tätern und Ursachen

In Zahlen ausgedrückt geht Mobbing zu
° 44% von Kollegen
° 37% von Vorgesetzten
° 10% von Kollegen und Vorgesetzten gemeinsam und
°  9%  von Untergebenen aus.

Sehr häufig sind arbeitsorganisatorische Mängel oder falsche Personalauswahl am Entstehen von Mobbing mitverantwortlich.
Zu starre, und unter Zeitdruck vorgegebene Beschäftigungsprozesse, welche vornehmlich in der Fertigungsindustrie in Form von Fließbandarbeit anzutreffen sind, bieten einen exzellenten Nährstoff zu dessen Entstehung.
Negative Faktoren wie Stress, Monotonie und Unzufriedenheit mit der zugeteilten Aufgabe erhöhen zudem die Aggressionsbereitschaft unter den Mitarbeitern.
Leidtragende sind häufig Anfänger, oder Personen, die dem Tempo (noch) nicht (mehr) gewachsen sind, und z.B. aufgrund fehlender Sprachfähigkeiten oder zu großer Sensibilität nicht in der Lage sind den Angreifern Paroli zu bieten.
Ebenso können Neustrukturierungen innerhalb eines Betriebes oder einer Arbeitsgruppe zu einem Problem werden.
Muss sich doch das neue Mitglied erst in eine Gemeinschaft ein bzw. unterordnen, in der sich im Laufe der Jahre feste hierarchische Strukturen und Gewohnheiten entwickelten, vergleichbar fast mit einer Familie.
Ist die oder der Neue nicht gewillt sich diesem Diktat anzupassen, ist ein Konflikt nahezu vorprogrammiert.
Völlig ausreichend kann schon sein, wenn eine Person sich auf Grund des Geschlechts, des Alters, der Persönlichkeit, der kulturellen, religiösen oder nationalen Herkunft von den anderen Mitgliedern eines Teams unterscheidet.
Zufolge einer in Schweden angefertigten Studie befinden sich unter den Mobbing-Opfern überdurchschnittlich viele Menschen, die man allgemein als Außenseiter der Gesellschaft tituliert, so z.B. sozial Schwache, Personen ohne Schulabschluss, Behinderte oder Menschen mit äußeren „Makeln“.
Eine Untersuchung in einem Betrieb, in dem besonders viele Behinderte eingestellt wurden, ergab, dass Nichtbehinderte zu 4%, was dem Landes-Durchschnitt entsprach,  Behinderte aber fast zu 22% betroffen waren.
Mobbing geht aber leider nicht „nur“ vom eigenen Kollegen aus, sondern  immer mehr Führungskräfte werden zu Tätern, einerseits weil sie sich von aufstrebenden, meist jüngeren und höher qualifizierten Untergebenen, bedroht fühlen, oder man dadurch versucht, unliebsame und unbequeme Mitarbeiter zur Kündigung zu bewegen.
Viele der Vogesetzten, die von Ihrem Ehe-Partner unterdrückt werden, wälzen Ihren Frust auf Ihre Kollegen ab.

Gesundheitliche Folgen für die Opfer

Ärzte konnten häufig bisweilen folgende körperliche und psychische Störungen und Beschwerden feststellen,  welche auch schon  in der Anfangsphase von Mobbing auftreten können:

° Depressionen
° Weinkrämpfe
° Albträume
° Verzweiflung
° Gedanken an Suizid
° Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
° Erschöpfungs- und Antriebsschwäche
° Schlafstörungen
° Magen- und Darmbeschwerden
° Herz- und Kreislaufprobleme
° Migräne
° Ohrensausen
° Nervosität und Gereiztheit
° Essprobleme

Heinz Leymann konnte bei Untersuchungen folgende Symptome besonders häufig festestellen:

Kopfschmerzen

51%

Rückenschmerzen 

44%

Einschlafstörungen 

41%

Depressionen

41%

schnelle Reizbarkeit

41%

Nackenschmerze

36%

Konzentrationsstörungen

35%

Versagensängste

32%

Schlafstörungen

32%

Bei zügiger Beseitigung des Problems, sowie begleitender ärztlicher Therapie, können die Betroffenen in der Regel auf vollständige Heilung hoffen, dagegen besteht bei längeren Anhaltens der Ursachen und Beschwerden die Gefahr von bleibenden ernsthaften körperlichen- und/oder psychischen Schädigungen.
Häufige Fehlzeiten, beinträchtigte Belastbarkeit, bis hin zur Arbeitsunfähigkeit, sind als weitere Folgen zu nennen.

Kosten durch Mobbing

Zwar sind exakte Kostenberechnungen noch nicht angestellt worden, doch sollen folgende Angaben als Anhaltspunkt für die gravierende Belastung für den Arbeitgeber und die gesamte Volkswirtschaft dies verdeutlichen:

  • Kosten eines Fehltages: 200,00 DM bis 800,00 DM.
  • Ein Prozent Krankenstand kostet für ein Unternehmen mit ca. 1000 Mitarbeiter 400.000,00 DM jährlich.
  • Ein Prozent Krankenstand für VW kostet ca. 46 Millionen DM im Jahr.
  • Kosten der krankheitsbedingten Fehlzeiten insgesamt für die deutsche Wirtschaft
    100 Milliarden DM im Jahr (1996).
  • Man rechnet in Deutschland mit Mobbing-bedingten Kosten von ca. 15 Millionen ¥ pro Jahr, einige Stellen gehen sogar von 50 Millionen ¥ aus.

Außer den Fehlzeiten ist durch das vergiftete Betriebsklima die Effektivität aller Betroffenen stark eingeschränkt, so gaben z.B.  27% einer norwegischen Untersuchung an, dass Mobbing ihre Leistungseffektivität am Arbeitsplatz reduziert.
Des weiteren nannten, laut einer schwedischen Studie,  60% von Beschäftigten, die selbst gekündigt hatten, als Ursache Unbehagen oder Schikane im Unternehmen, da für sie ein Verbleiben unmöglich erschien.

Mögliche Auswege aus dieser Situation

Aus eigener Erfahrung, sowie durch Unterhaltungen mit Betroffenen, würde ich einem Ratsuchenden folgende Schritte vorschlagen:

    1. Versuchen Sie zunächst durch Gespräche mit den Verursachern herauszubekommen, wieso man derart rüde auf Sie reagiert.
    Falls dies nicht möglich erscheint, kontaktieren Sie eine Person, die sich zumindest bislang als neutral verhalten hat, und bitten diese, statt Ihrer, diese klärende Unterhaltung zu führen, bzw. als Vermittler oder Schlichter tätig zu werden.
    Erfahrungen zeigen immer wieder, dass,  wenn erst einmal die Ursachen geklärt sind, sich dann oftmals eine für beide Seiten zufriedenstellende Lösung finden läßt.

    2. Weigert sich die angreifende Partie die „kriegerischen“ Angriffe einzustellen, sollten Sie sich nicht kampflos Ihren Peinigern ergeben.
    Suchen Sie stattdessen Ihren Betriebsrat oder Vorgesetzten auf und schildern Sie diesen Ihre Probleme.
    Neben der Fürsorgepflicht für seine Untergebenen wird jeder Chef erpicht sein, dass in seinem Unternehmen oder Abteilung ein gutes Betriebsklima herrscht, denn bekanntlich gelten zufriedene Arbeitnehmer als besonders produktiv, und „verursachen“ weniger Fehlzeiten als unzufriedene.

    3. Haben Sie jedoch den Eindruck, dass man Ihnen nicht helfen möchte oder kann, sollten Sie vielleicht zusammen mit einem Experten oder in einer Selbsthilfegruppe ausloten, ob sich ein Ausharren noch als lohnend erweisen kann, oder es nicht sinnvoller wäre, in einer anderen Firma einen Neuanfang zu versuchen.
    Anmerkung: Adressen sind häufig bei diversen Krankenkassen und beim Deutschen Gewerkschaftsbund zu erfahren.
    Eine Auswahl von Anschriften finden Sie außerdem auf der
    OAIP-Adressen-Seite.

    4. Wichtig ist jedoch, das Problem so schnell wie möglich anzugehen, damit die Seiten sich nicht derart verhärten können, dass für eine Lösung nur noch minimale Chancen bestehen.


Anmerkung:
Die Mobbing-Definition, Formen von Mobbing, sowie ein Großteil der statistischen Daten durften mit freundlicher Genehmigung des DEUTSCHEN GEWERKSCHAFTS BUNDES (DGB) verwendet werden.
Deren Website:
www.dgb.de

 

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