Schon als Kind musste Lynn erfahren, wie hart das Leben sein kann, wenn man dem zur Zeit gültigem Schönheitsideal nicht
entspricht. Ihre dünnen Lippen, Gesichtsblässe, das Vorhandensein eines Muttermals über dem rechten Auge und eine lange, krumme Nase, genügten, um von der Allgemeinheit als hässlich deklassiert zu werden.
Erwachsene starrten sie an, und von Kindern musste sie sich “Böse Hexe” oder “Pinocchio” heißen lassen, was dazu führte, dass sie sehr scheu wurde. Kamen Fremde zu Besuch, dann versteckte sie sich in
einen Schrank; während Mitschüler auf der High School Verabredungen hatten, musste Lynn Zuhause bleiben, weil kein Junge mit ihr “gehen” wollte. Zwar versuchte sie einiges um hübscher auszusehen, z.B.
ließ sie sich die Haare wachsen, verwendete starkes Make-up, sowie unterzog sich wegen des Muttermals eine Laseroperation, wodurch das Mal zwar verblasste, aber eine permanente Narbe hinterließ.
Die Jahre vergingen, aber für sie sollte sich nicht vieles zum Positiven wenden, weiterhin musste sie die Kränkungen ihrer Mitmenschen ertragen. Als Beispiel diene nur folgender Vorfall. Als Lynn Romer
eines Abends zusammen mit einem Fremden und seinem Kind an einer Bushaltestelle wartete, sagte dieser plötzlich zu seinem Sohn: “Du bist der Schöne, zu ihr dagegen: “Du bist das Biest!” Wer ähnliches
ebenfalls schon zu ertragen hatte, weis wie sehr solche Worte kränken, ja mitunter zerstören können. Endlich im Alter von 28 Jahren schien es, als ob ihr bislang so graues, hartes Leben mit ein wenig
Sonnenschein erhellt werden sollte, als sie sich in einen stark religiösen Mann verliebte. Doch aus der erhofften gemeinsamen Zukunft sollte nichts werden, da er keine Frau heiraten könne, die einen
“Defekt” hätte, womit er ihre Unattraktivität meinte. Um den Trennungsschmerz zu überwinden riet man Lynn sich an einen Schönheitschirurgen zu wenden. Doch als ihr des Arztes eigene hässliche
Knollennase ins Auge fiel, welche ihm aber nicht daran hinderte selbstsicher und glücklich zu wirken, bereute sie ihre Intention. Ihr Entschluss stand fest, keine Anpassung mehr, Schluss mit dem dicken
Make-up und dem Versteckspiel! Ihr Umdenken führte schließlich auch zur Gründung der Gruppe “THE PINOCCHIO PLOT”, zu deutsch “DIE PINOCCHIO VERSCHWÖRUNG”, welche aus Frauen, die hauptsächlich in Ogden und
Salt Lake City beheimatet sind, besteht. Von nun an wollte man zusammen einen Kampf gegen alles und alle führen, die einen Menschen und dessen Charakter nur nach dem äußeren Erscheinungsbild bewerten,
genannt “Looksism”. Schuldige waren schnell erkoren, obenan natürlich die Unterhaltungsindustrie, die uns tagtäglich in der traditionellen Meinung bestärkt, dass man Hässlichkeit mit dem Übel und
Schönheit mit Güte und Tugendhaftigkeit zu assoziieren hat! Aber auch Initiatoren von Schönheitswettbewerben, die Werbebranche, Frauenzeitschriften, die Walt-Disney-Filmstudios bis hin zu Autoren von
Kinderbüchern sind auf Lynns Liste der Angeklagten vertreten. Alle, aber ebenso Tageszeitungen, Magazine, etc. erhalten immer wieder Post von den standhaften “Pinocchio-Verschwörern”, damit jeder in den USA
zum Nach- und Umdenken animierte werden solle. Damit nicht genug, selbst einen Wettbewerb für die positive Schilderung von Kinderbuch- Charakteren, die nicht ins gesellschaftliche Schönheitsideal passen,
wurde von der Gruppe gesponsert. Ihrer Meinung nach wird der Charakter und die Einstellung zu vielen Dingen des Lebens stark durch das geprägt, was man als Kleinkind erlernt, so z.B. aus Märchen oder
Kinderbüchern, dort erfährt der sich in der Entwicklung befindende Mensch , eben dass
was hässlich ist, auch gleichzeitig das SCHLECHTE symbolisiert. Wie wichtig ein allgemeines Umdenken wäre, beweisen auch unzählige wissenschaftliche Studien. In allen Untersuchungen wird festgestellt,
dass ein attraktiver Mensch in den meisten Situationen und Bereichen des Lebens Vorteile gegenüber seinem unscheinbaren Gegenüber besitzt. Ihnen fällt es leichter bessere Jobs zu bekommen, finden leichter
Freunde und Wohnungen, haben bei Gerichtsverhandlungen als Angeklagter größere Chancen auf Freispruch oder Milde und sind als Politiker oder Verkäufer bedeutend erfolgreicher. Das diese Art der
Diskriminierung nicht als regionales Problem anzusehen ist, hat Lynn selbst erfahren müssen. Überall auf ihrem Lebensweg, als Kind im ländlich geprägten Missouri, sowie als Erwachsene in Süd-Kalifornien und
Boston, wie auch seit 1992 in Utah, war dieser “Looksism” ein treuer, ungeliebter Begleiter für sie gewesen. Doch trotz allen Problemen und Anfeindungen ist ihre Bereitschaft zum Kampf ungebrochen.Ob
nun dieser persönliche “Krieg” oder zumindest einige Schlachten jemals zu gewinnen sein können, scheint in der jetzigen Evolutionsstufe der Menschheit für nahezu ausgeschlossen. Jeglicher Aktionismus in
Form z.B. von Gesprächen oder Briefen, bedeutet nur einen winzigen Tropfen gefüllt mit Einsicht und Weisheit, viel zu wenig, für die bisweilen stark verkrusteten und ausgetrockneten Gehirnkanäle des Homo
Sapiens, sowie dessen versteinerten Herzen! Die Zukunft wird es zeigen!
Zu LYNN ROMER gibt es noch einen Bericht, zu dem Sie hier gelangen. HIER KLICKEN! |